Becoming River: Künstlerische Forschung im Murgtal

Als Teil von Clim’Ability Care (Interreg IV Oberrhein) hat das künstlerische Forschungsprojekt BECOMING RIVER des Labor für Medienökologie der Hochschule Offenburg in den letzten drei Jahren die Herausforderungen des Klimawandels anhand des Lebens an und mit dem Fluss Murg im Schwarzwald künstlerisch untersucht.

Seit rund 40 Millionen Jahren gräbt sich die Murgdurch den Nordschwarzwald. Heute fließt sie zwischen Straße und Schiene, vorbei an Hotels, Werkhallen und Wäschereien, durch eine Landschaft, in der Natur und Nutzung ineinander übergehen. Bei Gernsbach verändert sich ihr Lauf:

Kanäle, Mauern und Einfassungen geben verstärkt die Richtung vor. Flussabwärts wird die Murg zunehmend begradigt, bis sie schließlich in den Rhein mündet. Und doch steht der Fluss für mehr als das, was man sieht – er vermittelt Gefühle von Geborgenheit, Verlangen und Angst.

Im Fluss: künstlerische Forschung in der Praxis

Über drei Jahre hat das Forschungsteam um Prof. Daniel Fetzner, seine Mitarbeitenden Adrian Schwartz, Janna Häcker und Ephraim Wegner in der Zusammenarbeit mit Studierenden, externen Künstler*Innen, den Projektpartner*Innen der Universität Freiburg um Prof. Rüdiger Glaser und dem Theoretiker Martin Dornberg die Murg als Hydrosphäre und Lebensraum untersucht. Sie haben Menschen entlang des Flusses begleitet und sind in ihre Geschichten eingetaucht. Ein Fischzüchter, eine Gärtnerfamilie, eine Sägewerksbetreiberin, Jugendliche am Ufer, ein alter Mann im Pflegeheim, ein Kellner flussaufwärts – und viele andere. Ihre Geschichten verbinden sich mit dem Wasser, mit Orten, mit Stimmungen. Oft haben sie nicht gesucht, sondern sich treiben lassen – mit einer Sonde im Fluss, offen für das, was ihnen begegnet.

Interaktive Webdokumentation

Die Projektergebnisse aus dieser Arbeit kumulieren sich in einer interaktiven Webdokumentation, durch die man sich ebenso treiben lassen und die Reise des Forschungsteams nachempfinden kann.

Die interaktive Webdokumentation kann hier besucht werden: https://www.becomingriver.com/

Projektzeitung

Die Zeitung, die über den Projektzeitraum hinweg entstand kann in digitaler Form hier eingesehen werden: http://deglobalize.com/paper/river.pdf

Partizipative Abschlussausstellung vom 10. – 14. Juni 2026

Im Juni werden die Projektergebnisse dann einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Zum Auftakt findet am 10.06. um 18 Uhr im Vortragssaal des ZKM | Zentrum für Kunst und Medien ein Symposium mit Wissenschaftler*innen zum Thema “Kunst und Wissenschaft im Dialog” statt.

Vom 12. bis 14.06.2026 werden in der Stadthalle Gernsbach dann zahlreiche filmische und experimentelle Arbeiten, Installationen und Performances in einer Medienausstellung präsentiert, die allen Interessierten offen steht. 

Die unterschiedlichen filmischen Arbeiten sind während der Öffnungszeiten im kleinen Saal der Stadthalle zu sehen. Das Team um Daniel Fetzner, Ephraim Wegner und Filmemacher Adrian Schwartz von der Hochschule Offenburg und weitere beteiligte Künstler*Innen und Forscher*Innen sind vor Ort und freuen sich auf Gespräche.

Im großen Saal der Stadthalle sollen sich diese Eindrücke verdichten. In Videoinstallationen begegnen sich Bilder von Baustellen, Staumauern, Murg und Menschen. Sie werfen Fragen auf: Was halten wir zurück, was lassen wir fließen? Was drängt nach oben, was wird verdrängt? Wo bauen wir Dämme – und warum? Wo sind wir verletzlich, abhängig? Und wo verletzen wir?

Doch nicht nur das Klima wandelt sich. Auch wirtschaftliche, soziale und persönliche Lebenslagen geraten in Bewegung. Was einst verlässlich schien, wird durchlässig. Sicherheiten verändern sich, Perspektiven verschieben sich. Der Fluss wird zum Bild für Prozesse, die uns als Gemeinschaft betreffen – leise, manchmal unmerklich, manchmal mit großer Wucht.

Programm:

Mittwoch 10. Juni 18 Uhr – ZKM Karlsruhe, Vortragsaal

Podium Kunst und Wissenschaft am Beispiel von Becoming River

Prof. Daniel Fetzner, HS Offenburg Prof. Dr. Rüdiger Glaser, Uni Freiburg Prof. Dr. Florence Rudolph, INSA Strasbourg Dr. med. Dr. phil. Martin Dornberg, Uni Freiburg Sebastian Schleier, RWTH Aachen Adrian Schwartz, Filmakademie Ludwigsburg Moderation: Jürgen Reuss

 

Arbeiten aus dem Labor für Medienökologie der Hochschule Offenburg

– Hydrosphäre Murg mit 8 Monitoren (Installation)

– Sonifizierung Klimadaten 1850-2025 (Konzert)

 

Freitag 12. Juni 19 Uhr, Stadthalle Gernsbach

  • Eröffnung der Ausstellung von Daniel Fetzner & Team
  • Grußworte Bürgermeister (angefragt) und Landratsamt
  • Künstlergespräch
  • Performance Hexensabbat (Marie Kalvelage
  • Fluten und Stauen im Murgtal (Klimaforscher Rüdiger Glaser, Uni Freiburg)
  • Verdrängung und Aufwirbelungen in Gernsbach (Stadtarchivar Wolfgang Froese, angefragt)
  • Filmpräsentation mit elektronischer Live-Vertonung von Jan Pattscheck

Samstag, 13. Juni 10 Uhr

  • Cyanotypie-Workshop auf der Murginsel
  • Grafikwerkstatt der Hochschule Offenburg in Kooperation mit der Papiermacherschule Gernsbach (angefragt)
  • 19 Uhr Buchvorstellung “Klimadämmerung” (Rüdiger Glaser) Vorstellung der Broschüre “Klimaresiliente Region Murgtal”…Gespräch mit den Autoren

Sonntag, 14. Juni 11 Uhr Matinee

  • Gespräch über mitgebrachte Gegenstände zur Murg (Martin Dornberg)
  • Konzert der Improvisationsmusiker Harald Kimmig und Ephraim Wegner
  • Sonifizierung Klimadaten 1850-2025

 

Öffnungszeiten: Samstag und Sonntag 10-22 Uhr

Bilder aus Becoming River

Credits

Künstlerische Leitung: Prof. Daniel Fetzner

Medienethnografie: Adrian Schwartz, Janna Häcker, Daniel Fetzner, Simon Feller und Simon Schwab

Medieninstallationen: Adrian Schwartz, Ephraim Wegner, Daniel Fetzner, Janna Häcker, Sebastian Lindlar und Simon Schwab

Regie, Bildgestaltung und Schnitt: Adrian Schwartz

Schnitt und Tongestaltung: Janna Häcker

Bildgestaltung: Simon Feller und Simon Schwab

Tongestaltung: Sebastian Lindlar

Interaktive Webdoc: Aaron Bühler

Komposition: Ephraim Wegner

Musik: Jan Pattscheck

Textbeiträge: Daniel Fetzner, Martin Dornberg, Jürgen Reuss, Tomas Wald, Klaus Theweleit, Max Luft, Adrian Schwartz und Sekine Trinkner

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